Vom Kaukasus an den Bosporus: Armenien, Georgien & Türkei

Am Vorabend zum Grenzübertritt nach Armenien klarte es nach langem Regen plötzlich auf und über der iranischen Steppe tauchten die 4000er des kleinen Kaukasus aus dem Nebel auf. Für uns Bergliebhaber eine tolle Begrüßung für den nächsten Reiseabschnitt. Und die kleinen Kaukasusländer hielten ihr Versprechen: Armenien und Georgien waren ein Fest für die Augen.

Und so ging es gutgelaunt am nächsten Morgen zur Grenze. Im Iran hatten wir Hano einen zweiten Tank verpasst um nun mit über 300 Liter spottbilligen iranischen Diesel nach Armenien und Georgien einzureisen. Trotz längerer Diskussionen auf iranischer Seite, ließ man uns gewähren und so bezahlten wir für die kommenden 1000km quasi nix.

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Am armenischen Grenzübergang überholte uns dann plötzlich Frank aus Magdeburg mit seinem 1-Gang Fahrrad aus gleichem Jahrzehnt wie Hano geschnitzt und meinte “das tut aber gut, mal wieder Guten Tag zu sagen.” Wir waren uns gleich sympathisch und so kam es das wir Franks Rad aufs Dach schnallten und die kommenden 2 Wochen zu dritt unterwegs waren.

SAM_4395   SAM_4397 (Frank links in vorderster Reihe!)

Mit einem Gang durch den Kaukasus wäre zudem wohl ein fast unmögliches Unterfangen geworden. Mit Hano die Berge rauf und runter zu kurven war dagegen eine Wonne und so erreichten wir nach einigen Stunden “kurbeln” unseren ersten Stopp Kapan.

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Viele Städte im Kaukasus sind noch stark geprägt von ihrer Vergangenheit unter russischer Besetzung. Zeugen dieser Vergangenheit sind (oftmals verlassene) Bergwerke, hässliche Hochbausiedlungen und teilweise katastrophale Straßenverhältnisse.

Beim Anblick jedoch der fantastischen Klöster, eingebettet in atemberaubender Bergkulisse, verblasste gleich die Tristesse. Zeuge von einem Kloster, eingebettet in traumhaft schöner Bergkulisse, wurden wir gleich einen Tag später, als wir von Kapan weiter in Richtung Tatev fuhren. Über eine herrliche Bergpiste ging es hoch hinauf. Als wir den Pass passierten, trauten wir unseren Augen kaum! Vor uns erhob sich in seiner vollen Pracht, das auf einer Felskuppe erbaute Kloster Tatev. Gebannt von diesem atemberaubenden Blick auf dieses Kloster aus dem 9. Jahrhundert, beschlossen wir, dass dies der ideale Platz für unser 2. Frühstück und unseren Schlafplatz für kommende Nacht ist.

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Am nächsten Morgen wurden wir von den ersten Sonnenstrahlen geweckt und genossen ein reichhaltiges Frühstück in ganz besonderer Umgebung.

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Nachdem wir wieder alles zusammengepackt hatten, ging es auch schon weiter in Richtung Satin, über Herher und Goghtanik bis zu unserem Schlafplatz in Hermon.

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Auf dem Weg machten wir noch einen kurzen Zwischenstopp an der Satan´s Bridge mit seinen 2 natürlichen Quellen, welche  Christian und Frank gleich dazu verleiteten in ihre Badeklamotten zu schlüpfen!

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Auf der Weiterfahrt nach Hermon gabelten wir noch Zoe und Florian, 2 Schweiz-Franzosen auf, die ein kleines Stück mit uns mitfuhren.

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Mit vollgeladenem Hano ging es weiter auf Bergpisten bis wir Abends endlich in Hermon ankamen und unser Nachtlager aufschlagen konnten.

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Unser nächstes Etappenziel für den kommenden Tag war Lake Sevan. Dorthin begegneten uns noch Paul und Monika, 2 verrentete Schweizer, die mit ihrem Bremach (Fiat – IVECO) jeweils ein halbes Jahr durch die Welt reisen und ein halbes Jahr in der Schweiz leben. Ein durchaus attraktives Rentnerkonzept!!! www.http://bigamper.com/

Natürlich mussten wir sofort anhalten und uns erst einmal über unsere Reiseerfahrungen austauschen!

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Nachdem netten Plausch starteten wir weiter die Bergstraße hinauf und passierten den Pass mit herrlicher Aussicht. Nach einer kurzen Rast und dem Genuss dieses herrlichen Panoramas ging es dann auch schon weiter am Lake Sevan entlang in Richtung Noratus. Die kleine Ortschaft ist auch das zu Hause der Surp Grigor Lusarovich Kapelle und seinem Friedhof mit den für Armenien typischen Chaschkars. Die Chaschkars sind in der armenischen Kirchentradition kunstvoll behauene Gedächtnissteine mit einem Reliefkreuz jeweils in der Mitte. Nach Noratus ging es am Lake Sevan weiter zum Kloster Hayrawank. Hayrawank ist ein Kloster der armenischen apostolischen Kirche und wurde im späten 9. Jahrhundert auf einer felsigen Anhöhe mit traumhaft schönem Blick auf den See errichtet. Da es Sonntag war, hatten wir das Glück einen typisch armenischen Gottesdienst miterleben zu dürfen. Etwas düster dennoch faszinierend war dieser jedoch, aber dies lag sicherlich auch ein wenig an den wenig lichtdurchfluteten Klostergemäuern.

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Nach dem Erlebnis Kloster Hayrawank ging es weiter über die Stadt Sevan in den Ort Dilijan mit seiner charmanten kleinen Altstadt.

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Früher war Dilijan Urlaubsort armenischer Könige. Während der Sowjet-Zeiten kamen die Partei- und Politikbosse aus Moskau hierher zur Kur. Auch heute noch nennen viele armenische Künstler und Filmemacher die Stadt ihr Zuhause. Nach 2 Tagen Dilijan fuhren wir weiter über Vanajor zu den beiden Klöstern Sanahin und Haghpat, die beide Weltkulturerbe Status für sich beanspruchen.

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Am nächsten Morgen war es dann schon wieder soweit und wir passierten die Grenze zu Georgien. Nachdem die Einreise für unser Auto in Armenien mehr Zeit in Anspruch genommen hat, als jedes andere Land, indem wir zuvor waren, hofften wir auf eine schnelle Abwicklung in Georgien. Unser Wunsch wurde erhört und innerhalb einer halben Stunde waren wir auch schon wieder auf der Straße in Richtung Hauptstadt Georgiens – Tiflis.

Georgien

In Tiflis angekommen, mussten wir uns erst einmal wieder durch den Stadtverkehr quälen. Zusammen mit unserer Stadtkarte und den Informationen von ein paar netten Georgiern, fanden wir unsere Unterkunft. Das Hostel “Why not!”, inmitten des Stadtzentrums gelegen, beherbergte uns für die nächsten 3 Tage. Wir parkten Hano in der Seitenstraße direkt vor dem Eingang und durften die sanitären Anlagen des Hostels umsonst nutzen und im Hano schlafen. Am nächsten Tag starteten wir gleich unsere Erkundungstour durch die wunderschöne Altstadt. Wir waren einfach nur begeistert und waren sicherlich nicht das letzte Mal in Tiflis. 

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Zusätzlich zu unserem Erkundungsprogramm, mussten wir auch nach einer neuen Kupplungsscheibe für Hano Ausschau halten. Wir zeigten dem Taxifahrer die Kupplungsscheibe und dieser führte uns direkt in das Schrauberviertel von Tiflis! Wow, dort gab es wirklich alles für das Schrauberherz! Ein sehr guter Freund aus Sandkastentagen unseres Taxifahrers war spezialisiert auf Kupplungsscheiben und Bremsbeläge. Wir drückten ihm unsere Kupplungsscheibe in die Hand, vereinbarten den Preis und 2 Stunden später hielten wir unsere Kupplungsscheibe mit neuem Belag in den Händen.

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Glücklich und erleichtert fuhren wir zurück zum Hostel. Die nächsten Tage genossen wir noch in Tiflis, bevor es weiter in Richtung Grenze Türkei ging. Auf dem Weg zur Grenze fuhren wir noch nach Vardzia, auch als Höhlenstadt bekannt. Der Weg dorthin, führte uns durch enge Bergschluchten und wunderschöne Täler. Wir waren einfach nur begeistert. König Georgi III erbaute dort im 12. Jhr. eine Festung. Erst seine Tochter ließ ein Kloster errichten, welches sich zu einer Stadt, die 2000 Mönche beherbergte, weiterentwickelte. Diese Höhlenstadt ist für die sehr gläubigen Georgier ein Pilgerort. Die Höhlenstadt besteht aus 13 Stufen, 409 Räumen, 13 Kirchen und 25 Weinkeller!

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Am nächsten Tag ging es direkt weiter nach Batumi, unsere letzte Station, bevor wir Georgien verließen. Auf der Fahrt dorthin, begegneten wir noch Erika und Olli aus Günzburg, die mit ihren Rädern nach Südostasien radeln möchten!

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Wir verbrachten noch einen gemeinsamen Tag mit Frank in Batumi, bevor sich unsere Wege nach 2 ausgesprochen netten Wochen wieder trennten. Frank fuhr weiter in Richtung Norden nach Svanetien und unsere Reise ging weiter auf direktem Nachhauseweg erst einmal in Richtung Türkei.  

Türkei

An der türkischen Grenze angekommen ging alles reibungslos und v.a ruckzuck vonstatten. 4 Tage fast immer am schwarzen Meer entlang erreichten wir schlussendlich unser nächst größeres Etappenziel auf dem Weg nach Hause: Istanbul

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Istanbul markierte einen weiteren Meilenstein auf unserer Reise und die Fahrt über den Bosporus gewissermaßen den Abschluss der muslimischen Welt. In Istanbul angekommen erschlug uns die Größe der Stadt sowie der chaotische Stadtverkehr. Aus dem Internet wussten wir, dass es einen Campingplatz (eher einem großen Parkplatz ähnlich) sehr nah den Top Sehenswürdigkeiten gibt. Das Viertel heißt Kumkapi und der Campingplatz befindet sich ca. 800 Meter zur blauen Moschee. Bevor wir diesen jedoch erreichten, mussten wir uns mal wieder durch den Stadtverkehr quälen. Und zu guter Letzt, bevor wir den Campingplatz erreichten, fuhr uns ein junger Türke rechts ins Auto. Wir haben nix gemerkt, aber dem neuen 3er BMW hats ordentlich das Heck aufgerissen. Zuerst wollte der junge Fahrer uns die Schuld in die Schuhe schieben, aber an einer nach vorne verbogenen Stossstange unsererseits gingen ihm dann doch sehr schnell die Argumente aus. Gott sei Dank war die Werkstatt gleich um die Ecke des Campingplatzes und so blieb uns ein erneuter Kampf durch die Straßen Istanbuls erspart. So fuhren wir am nächsten Tag zur Werkstatt und 4 Stunden später war die Stoßstange wieder hingebogen sowie neu lackiert. Die Lackfarbe weicht zwar ein wenig von der ursprünglichen Farbe ab, aber so kleinlich wollten wir dann auch nicht sein.

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Nachdem unser Hano wieder hergestellt war, stand der Besuch der blauen Moschee sowie der Hagia Sophia bei uns auf dem Programm. Das goldene Horn dominierend, ragt diese beeindruckende osmanische Moschee auf einem der 7 Hügel von Istanbul empor. Während der Herrschaft von Sultan Ahmed erbaut, gilt diese Moschee als einer der Hauptwerke osmanischer Architektur im 17. Jahrhundert.

Zwischen dem Kulturprogramm erlebten wir auch die Demonstrationen anlässlich des Jahrestages der landesweiten Gezi-Proteste vor einem Jahr.

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So,nun aber weiter im Kulturprogramm!:

Gleich gegenüber der Moschee befindet sich ein weiterer kultureller Leckerbissen! Die berühmte Hagia Sophia. Die Heilige Weisheit, wie sie übersetzt heißt, ist von ganz besonderer geschichtlicher Bedeutung. Sie erlebte fast die gesamte Geschichte von Konstantinopel und das goldene Zeitalter von Byzanz und der Stadt Istanbuls. Zuerst als griechisch orthodoxe Kathedrale verwendet, wurde sie bis zu ihrer osmanischen Eroberung zu einer römisch-katholischen Kathedrale. Nach der Eroberung Konstantinopels durch die Osmanen wurde sie durch Sultan Mehmet, dem Eroberer zu einer Moschee umgewandelt. Es wurden christliche Insignien, Inneneinrichtung, Dekorationen und Glocken der Hagia Sophia entfernt. 1934 wurde sie zu einem Museum umgebaut und kann für ca. 15 Euro Eintrittsgebühr p.P bewundert werden.

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Von soviel Input, gönnten wir uns erst einmal eine kleine Pause mit kleinen süßen Leckereien und schauten einem türkischen Straßen-Bonbonhersteller bei der Arbeit zu.

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Am nächsten Tag wartete der Topkapi Palast darauf von uns bewundert zu werden. Als Residenz der osmanischen Herrscher, lebten ca. 5000 Menschen damals hinter den Palastmauern. Aufgeteilt in Familienmitglieder, Verwaltungsbeamte, Bedienstete und Soldaten. Die hohen Palastmauern reichten vom goldenen Horn bis hin zum Marmara Meer und trennten den Palast vom übrigen Teil der Stadt. Nachdem Erlebnis Topkapi Palast traten wir den Heimweg zum Campingplatz an. Dort genossen wir noch den Abend bevor es am nächsten Tag schon weiter in Richtung Griechenland ging.

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One thought on “Vom Kaukasus an den Bosporus: Armenien, Georgien & Türkei

  1. Krikro

    Krass, Armenien hatte ich überhaupt nicht auf dem Schirm, sieht ja richtig nett aus. Willkommen zurück in Europa und geniesst die Zielgerade (oder bleibt noch den Sommer in Griechenland, wir kommen dann vorbei)

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